Herbstanlass 2013 – Besuch im Kriminalmuseum Zürich

Nichts für schwache Nerven

Ursi Brunner

1.Oktober. Eine 17köpfige Erwachsenenschar findet sich am Bahnhof Islikon. Miss Marple ist aber keine zu entdecken  und niemand hat eine X-Akte dabei. Nachdem wir den Islikoner Bahnschalter tüchtig unterstützt hatten, fuhren wir entlang den Eisenbahnschienen zum Zürcher Hauptbahnhof .

 

Ralph Hirt, seit 30 Jahren ein waschechter Drogenfahnder, empfing uns an der Kasernenstrasse beim Kantonspolizeigebäude und führte mit viel schwarzem Humor durch einen Teil der Ausstellung.

Wir erfuhren, dass das erste Zürcher Gefängnis in der Limmat stand. In der Lettibadi, am Letzipark und Helvetiaplatz wurden anno dazumal Hinrichtungen durchgeführt. Untreue Ehefrauen wurden in den Fluss geworfen, mit einem Holzkreuz auf dem Rücken. Gingen sie unter ,waren sie schuldig, trieb der Oberkörper oben, waren sie unschuldig, allerdings genau so tot. Auch war das Schwert des damaligen Scharfrichters ausgestellt, der die Verurteilten nicht immer beim ersten Querschlag halbieren konnte, und sich dafür bei ihnen zu entschuldigen hatte. Viele alte Geschichten liessen den einen oder anderen erschauern und einige bekundeten, wie gut es sei, in der heutigen Zeit zu leben.

 

Seit 1901 trug die Polizei Sammelstücke zusammen. Eine umfangreiche Waffengalerie, auch Exponate, die an James Bond-Erfindungen erinnern und verschiedene Mord- und Raubfälle, aber auch schon Vergessenes, sind gut bebildert anzuschauen. Mussolini war schon in frühen Jahren wegen Auffälligkeiten in Zürich verhaftet worden. Terroristen aus Palästina hatten 1970 ein Swissair Flugzeug entführt, und eines stürzte wegen einer Gepäckbombe ab.

 

Der detaillierte Frauenmünsterüberfall sowie fantasievolle und abstossende Drogenschmuggelverstecke an Körper und Kleidung. Wir erfuhren, dass jeder zweite 100- Dollarschein in und ausserhalb Amerika gefälscht ist und deshalb nicht gerne eingelöst wird.

 

Am Ende der Ausstellung begaben sich die empfindlicheren Gemüter in die hinteren Reihen und wollten nicht mehr ganz alles Sehen und Hören. Doch die meisten hatten starke Nerven und brauchten beim Schlummertrunk nur ein Bier oder Wasser, keinen Cognac.

Auf dem Heimweg wurden wir auch nicht mehr vom kriminellen Duft unser Klosterkäses aus dem Referenten -Geschenkkorb verfolgt, sondern hatten Gewissheit, das dieser nun auf der Polizeiwache sein Unwesen treibt.